Coles Phillips
( 1880- 1927 )

Geboren 1880 in Springfield, Ohio. Andere Künstler seiner Generation sind unter anderem: Joseph Clement Coll, Edmund Dulac, Harvey Dunn, Walter Everett, Willy Pogany, Harry Rountree, Sarah Stilwill Weber und N. C. Wyeth.
Obwohl er schon als Junge das Zeichnen liebte, besorgte ihm sein Vater nach dem High-School-Abschluss einen Job als Verkäufer in der am Ort ansässigen Heizungs-Firma.
Trotz guten Willens war Coles Phillips, ein attraktiver junger Mann, kein wirklich guter Verkäufer. Er schrieb sich 1920 im "Kenyon College" ein, und bekam die Möglichkeit seine Kunst in den Jahrbüchern der Schule zu veröffentlichen. Seine Zeichnungen erschienen in den Ausgaben des "Reveille" von 1901-1904. Nach seinem ersten Jahr hatte er genug. 
Er wollte nur noch zeichnen und verließ Ohio 1904 um nach New York zu gehen und dort seinen Lebensunterhalt mit seiner Kunst zu verdienen. Phillips war praktisch veranlagt, legte eine Empfehlung von seinem alten Arbeitgeber vor und bekam schnell einen Job bei der New Yorker Filiale der Heizungs-Firma.
Eine unflätige Karikatur, die er von seinem Firmen-Präsidenten anfertigte, beendete aber sehr schnell seine Karriere nach wenigen Monaten. Der Vorfall führte zu einem großartigen Zusammentreffen in einer Größenordnung, die nur in Legenden vorkommt. 
Der Mitarbeiter, für den Phillips die Karikatur angefertigt hatte, traf sich am gleichen Abend mit J. A. Mitchell, dem Herausgeber des "Life Magazine" - einem populären Humor-Magazin, zum Essen. Nachdem dieser von dem Missgeschick erfuhr, wollte er die betreffende Zeichnung sehen, die ihm sehr gefiel, und er lud Phillips zu einem Gespräch ein. 
Sicherlich war sich Phillips bewusst, welch große Möglichkeit sich ihm bot, und es war sehr sonderbar, dass er es versäumte, davon Gebrauch zu machen. Er ging nie zu dem Gespräch, sondern schrieb sich in einer Kunst-Klasse ein, vielleicht um der Ehre, die ihm Mitchell angeboten hatte, gerecht zu werden. Er blieb 3 Monate an der Kunstschule. Endlich, 1907, mit 26 Jahren, fand er es an der Zeit, das Angebot von Mitchell anzunehmen und die Verbindung mit dem Magazin dauerte sein ganzes Leben. Schnell wurde er populär bei den Lesern durch seine Art der Cover-Gestaltung. 1908 entwarf er ein Cover Girl, das sein Markenzeichen wurde. Durch die Kombination von Vorder- und Hintergrund-Elementen in der gleichen Farbe, entwarf er das "Fadeaway Girl", wobei er eine Technik benutzte, die die Figuren im Hintergrund in einer zweiten Farbe verankerte. Diese Methode vermittelte einen interessanten posterähnlichen Effekt von großer Einfachheit, um die Illusion zu erschaffen, das man eine plastische Figur vor sich hatte. Die Idee des Fadeaway veranlasst den Betrachter eigene Ideen hinein zu interpretieren, bevor die Figur vollendet ist. Die Technik "Fadeaway" hat auch den Effekt, Schönheit in die Phantasie zu tragen. Die Ausmalung von Phllips flachen Außenkonturen bedeutete, dem Betrachter war es erlaubt, zu denken und zu träumen, nicht einfach nur zu schauen. Als das "Life Magazin" 1908 seine Covers in Farbe produzierte, hatte das Fadeaway-Girl ihren ersten Auftritt und war ein dauerhafter Erfolg. Noch viele Jahre lang erschien sie in abgewandelter Darstellung, war aber immer von aristokratischer Schönheit. Am Ende des Jahres 1908, 15 Monate nachdem seine erste Arbeit erschienen war, stand Phillips als bekannter Maler auf der gleichen Stufe, wie Charles Dana Gibson und James Montgomery Flagg.
Gerade als das "Gibson Girl" am Wechsel des Jahrhunderts aktuell war, kam auch ein "Phillips Girl" in den 1910ern und 1920ern. Sie zeigte sehr viel mehr Haut als ihre ältere Schwester, aber sie hatte weiterhin ein gemeinsames Aussehen mit ihr. Ihre Abbildungen wurden 1911 von den Seiten des "Life Magazine" und "Good Housekeeping" in "A Gallery of Girls" von Coles Phillips gesammelt. Ein Jahr später erschien "A Young Man's Fancy" mit noch mehr seiner Bilder. Als die Jahre vergingen und die Zeiten sich änderten, so kurz vor dem Krieg, kam eine offenere Sinnlichkeit in die Bilder, die von den Lesern auch akzeptiert worden ist. Man kann es in den Ausgaben 1917 und 1918 für "Luxite Hosiery" und "Overland Auto" sehen. Phillips Posen kombinieren die richtige Menge von Kitzel mit genau dem richtigen Grad an Unverschämtheit. Seine Frauen durften sexy sein, aber sie wussten nicht, dass man es ihnen ansah.
Das Einzige was sie mit Sicherheit waren ... ein fantastischer Erfolg. Von Beginn an, noch bevor die "Fadeaway-Technik" ihn zum Megastar machte, waren Phillips Zeichnungen von Frauen etwas Besonderes. Er war zu mehr fähig als zu diesen immergleichen Figuren, die das Jahrbuch 1921-1922 "The Lucky Bag" angibt. Der offene Blick des Mädchen in der Marine-Uniform ist einfach fesselnd. Es ist unfair zu denken, dass Phillips nur eine Technik beherrschte, genauso wie es falsch ist, die Fadeaway-Technik herabzuspielen als bloß eine simple Darstellungsart. Coles Phillips wurde innerhalb einer Ära der größten Namen in der Illustrationsgeschichte, wie Mucha und Parrish, bekannt. Er entwickelte eine Idee, die funktionierte. Aber nicht nur das, er konnte auch seinen starken Sinn und seine natürliche Begabung für spielerisches Malen in Hunderten von exzellenten Bildern um dieses Thema einbringen.
Coles Phillips selbst war auch ein guter Geschäftsmann. Seine Bilder für Covers wie "Holeproof Hosiery" und Werbe-Plakate für "Palmolive" und viele andere Firmen waren Produkte eines findigen und intelligenten Kunsthandwerkers. Als es 1925 interviewt wurde, brachte er seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Illustration, ob kommerzieller oder künstlerischer Art, nur profitabel ist, wenn man immer sein Bestes gibt. Phillips sein hoch entwickelter Stil half entschieden mit, Amerikas Wahrnehmung für die Schönheit zu verändern. Zur Zeit seines Todes im Jahre 1927, bereitete er sich für die nächste Stufe seiner Karriere vor. Es ist unser Pech, dass wir nie wissen werden, was dies gewesen sein könnte.
Im April 1928, 10 Monate nach Coles Phillips' Tod, veröffentlichte die "Saturday Evening Post" ein Buch seiner Witwe Teresa Hyde Phillips unter dem Titel "The Making of an Illustrator". Über die Inspiration des Künstlers schrieb sie: "Die Einteilung der Maße, schmal und groß, war für ihn aufregender, als die Farben oder die Idee oder ob das Mädchen hübsch war. Mit anderen Worten, das bloße Design war seine wahre Liebe. Die Tatsache, dass er an seine Anerkennung als Maler von hübschen Mädchen bekam, war eher ein Unfall als etwas anderes."
Coles Phillips wurde 1993 posthum in die "Society of Illustrators" in der "Hall of Fame" aufgenommen.

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