Elmer Simms Campbell
( 1906 - 1971 )

Elmer Campbell, der erste amerikanische Cartoonist und Humorist, war nie besonders glücklich mit seiner Namensgebung. Am besten bekannt ist er unter dem Namen, mit dem er seine Illustrationen unterzeichnete: "E. Simms Campbell" . Er war der erste, öffentlich bekannte, farbige Cartoonist, der für viele der größten nationalen Zeitschriften Verlage in Amerika zeichnete, und dies zu einer Zeit, als die Rassentrennung überall praktiziert wurde. Beschrieben wird er als ein idealistischer und überaus romantischer Jüngling. Simms Kunst-Stil zeigte eine ausgereifte Ironie, die nach ihrer Entstehung über die Jahre perfektioniert wurde. Zwei Qualitäten blieben zurück, analog zu einem Artikel, der in den 1950ern von Michael Carter geschrieben wurde: Die Ironie und sein Gebrauch der weißen Charaktere in seinen Comics. Er wählte diese Art, um als kommerzieller Künstler leben zu können. Als kleiner Junge in St. Louis wurde ihm gesagt, dass der Versuch, sein Leben als Künstler zu verbringen, für einen Schwarzen Zeitverschwendung sei. Aber er überhörte die negativen Standpunkte und ließ sich nicht von seiner Liebe zum Zeichnen abschrecken.
Elmer Simms Campbell wurde am 2. Januar 1906 in St. Louis, Missouri geboren. Seine Eltern waren Vater Elmer, Chemie-Lehrer und Vize-Direktor der Schule und seine Mutter, Elizabeth Simms Campbell, eine bekannte Zeichnerin, die ihn die Fundamente seiner Kunst lehrte, damit er sich mit 14 Jahren an der Universität von Chicago einschreiben konnte. Schon während der High-Schoool-Zeit erhielt er viele Auszeichnungen und die Lincoln und Wilberforce Universitäten verliehen ihm Ehrengrade. Er heiratete im Jahr 1936 seine erste Frau Constance, die 1940 an Krebs starb. Dann heiratete er ihre Schwester Vivian, und mit ihr hatte er eine Tochter, Elizabeth Ann. 
Er verbrachte seine frühen Jahre als junger Künstler an der "Englewood High School" in Chicago, wo er herausgebender Cartoon-Zeichner für die "E weekly", die Schulzeitung, war. Es war diese High School Titelseite, die 1926 die erste nationale Aufmerksamkeit fand. Für die Darstellung einer Erinnerung an den Jahrestag des Waffenstillstands gewann er eine Auszeichnung. Es war eine Illustration eines Soldaten nach dem ersten Weltkrieg, der am Grab seines Kameraden niederkniet und übertitelt wurde das Bild: "Wir haben gewonnen, Kumpel". Eine andere Zeichnung, die eines Truthahns, die er 1922 für 75 Dollar verkaufte, diente später als Grundlage für 2 seiner populärsten Charaktere "Cutie" und "Sultan".
Nach einem Jahr am College wechselte er an das "Art Institute" von Chicago, und war währenddessen freischaffend für das Magazin "College Comics" unter verschiedenen Pseudonymen tätig. Seine Schulzeit finanzierte er auch als Speisewagen-Kellner und Postbote. Nach Abschluss der Schule kehrte er nach St. Louis zurück, wo man ihn wegen seiner Hautfarbe entmutigte, eine kommerzielle Zeichner-Karriere zu starten. Verbissen fasste er den Entschluss, die Barrieren der Diskriminierung zu durchbrechen und während seiner Arbeit als Speisewagen-Kellner zeichnete er Karikaturen der Fahrgäste. 
Diese Zeichnungen zeigte er später dem Manager der "Triad Studios", J. P. Sauerwein, und er wurde eingestellt. Campbell arbeitete 18 Monate für die "Triad Studios" und ging dann nach New York, wo er einen Job in einer Werbe Agentur fand, allerdings nur 1/8 seines Gehalts aus St. Louis verdiente. Während dieser Zeit traf er Russell Patterson, der ihm den entscheidenden "Schlüssel-Hinweis" für seine Karriere gab. Er solle sich auf schöne Mädchen spezialisieren, denn schöne Mädchen könne man immer verkaufen.
Campbell vermittelte u.a. die Arbeiten von anderen im Cartoon-Geschäft und begann freischaffend Kunstwerke für Top-Magazine der Stadt zu zeichnen. Er verkaufte auch Gags an andere Künstler, manchmal bis zu 50 Stück pro Woche. An der "Academy of Design" verbesserte er seine technischen Kenntnisse und an der "Art Student's League" studierte er unter dem bekannten Künstler George Grosz. Bald darauf kontaktierte er Ed Graham, einen Freund, der zusammen mit ihm in Chicago bei dem Magazin "The Phoenix" gearbeitet hatte. Graham war zu einem der bemerkenswertesten Cartoonisten der Staaten und Mitwirkender bei Humor-Magazinen aufgestiegen. Dieser war von Campbells Arbeit begeistert und versprach ihm zu helfen, seine Träume zu verwirklichen. Mit Grahams Unterstützung konnte Campbell seine Arbeiten verschiedenen Verlegern vorstellen und seine ersten Bilder verkaufen. Campbells Covers waren Blickfang, originell, lebensnah und unverfälscht. 
An Weihnachten 1930 zeichnete er die Covers für "Life" und "Judge". In den frühen 1930ern hatte sich Campbell als bekanntester Cartoonist etabliert. Seine Arbeiten waren in erster Linie in großen Veröffentlichungen wie dem "Esquire", "Playboy", "Cosmopolitan", "Saturday Evening Post", "Redbook", "The New Yorker", "Opportunity" und in 145 Tageszeitungen vertreten. Darin lag auch der Grund, dass er kaum schwarze Menschen in seinen Cartoons darstellte. Die Kunst-Abteilung des "Esquire" erkannte das Talent dieses jungen schwarzen Künstlers und man bot als erster Verlag E. Simms Campbell einen Langzeitvertrag, entgegen aller Vorurteile. Seine Illustrationen finden sich in allen Ausgaben von 1933 bis 1958. Er war ebenfalls damit betraut, "Esky", das Maskottchen des Magazins zu entwerfen. Im Geschäftsleben wird die Hautfarbe manchmal leicht übersehen, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Bald schon war dieser talentierte Künstler in Verhandlungen mit anderen Werbe-Agenturen. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, brachte er pro Jahr über 500 fertige, hochwertige Teile seiner Kunst hervor. In der Mitte der 50er erschienen seine Arbeiten in beiden großen Magazinen, dem "Playboy" und dem "Esquire". Es war bemerkenswert, dass seine Cartoons in konkurrierenden Veröffentlichungen erschienen. Im Wesentlichen war er ein Gag-Cartoonist. Er wurde in einer Esquire "Who-is-Who" - Ausgabe als ein außergewöhnlicher Humor-Künstler bezeichnet, der anders als die meisten anderen seine Gags selbst macht und nicht kauft. Das liegt daran, dass er zusammen mit den Zeichnungen auch die Witze macht. "Ich versuche mindestens 10 unterschiedliche Witze pro Nacht zu machen." Beim Durchsehen der Haushaltsrechnungen wurde er zu seinen Ideen inspiriert. "An diesem Punkt sage ich "cheese", dann werde ich lustig." Ohne Frage war sein populärster Charakter das sexy rothaarige Mädchen. In seiner Jugend entwarf er eine Illustration eines Truthahns, die ihm Ruhm als Erfinder von "Cutie" einbrachte. Die kräftige rothaarige Frau mit schlanken Beinen und breiten Hüften wuchs aus einem Truthahn heraus, weil dies das erste Bild war, das er in St. Louis gezeichnet hatte. "Cutie" hat alles verkauft, Strümpfe, Seife und Deodorants, sofern ihr Charme in der Werbung genutzt wurde. E. Simms Campbell sagt über "Cutie", sie sei rothaarig, weil sich rot sehr gut drucken ließe, außerdem in allen amerikanischen Magazinen Rot benutzt würde und nahezu jede Flagge der Welt etwas Rot beinhaltet. Wurde er kritisiert, weil er seinen Lebensunterhalt damit verdiente, indem er weiße Frauen zeichnete, sagte er:
"Würde "Cutie" leben, wäre sie farbig, denn farbige Mädchen haben schönere Brüste und mehr Sonne und Wärme. Ich mag eine schöne Rückseite, und die haben sie."
Manche sagten, es sei kühn und breche alle Grundsätze, wenn man einem Schwarzen erlaube, annähernd nackte weiße Frauen in einer Zeit des offenen Rassenhasses zu zeichnen. Im Jahr 1936 identifizierten ihn "Hearst Papers" und andere weiße Zeitschriften selten als Schwarzen. Wäre dies an die Öffentlichkeit gekommen, erwartete man das Entfachen der Gewalt gegen schwarze Männer der Gesellschaft, oder zumindest die massenhafte Kündigung der Zeitschriften-Abonnements, die seine Bilder beinhalteten. Man fragte Simms, wie wohl rassenhassende Weiße sich fühlten, wenn sie entdeckten, dass der Erfinder dieser sinnlichen und halbnackten Mädchen schwarz sei und er antwortete:" Wer gibt einem verdammten ... Ich glaube, sie werden es überleben." 
Sein Talent verschaffte ihm einen Platz in der "Who is Who" im farbigen Amerika und der Enzyklopädie des Schwarzen Amerika. Er hat ebenfalls viele Kinderbücher, wie "Popo und Fifina" von Arna Bontemps & Langston Huges und der haitianischen Gedichtesammlung "We, who die & other poems" von Binga Dismond illustriert.
In einem Interview sagte er, die ältere Generation dachte, er sei ein ungezogener Junge, aber vielleicht verstanden sie bloß nicht seine intelligente und scharfsinnige Art von Humor. Es war diese Art von Humor zusammen mit seiner Fähigkeit, sinnlich wunderschöne PinUp-Mädchen zu zeichnen, die ihn zu einem der beliebtesten Illustratoren der Nation machte.
Elmer Simms Campbell verbrachte die letzten 14 Jahre seines Lebens in der Schweiz, um den Rassenvorurteilen zu entgehen und starb am 27.Januar 1971 in White Plains, New York an Krebs.
Im Jahre 2001 wurde er in die "Hall of Fame" posthum aufgenommen.

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